Versicherungsstreitigkeiten: Schäden, Entschädigung und Schiedsverfahren
Versicherungsstreitigkeiten lassen sich nicht durch bloßes Lesen der Police lösen. Die Art des Schadens, der Deckungsumfang, die Ausschlüsse, der Gutachterbericht, die Nachweise, die Aussicht auf Regress und die Wahl zwischen Schiedsverfahren und Gerichtsverfahren müssen zusammen abgewogen werden.

Versicherungsverträge sind ein unverzichtbares Mittel der Absicherung im Alltag, im Handel und bei Investitionen. Kfz-, Wohngebäude-, Betriebs-, Waren-, Transport-, Haftpflicht-, Kranken-, Lebens-, Feuer-, technische, See- und Geschäftsrisikoversicherungen sollen Personen und Unternehmen gegen unerwartete Schäden schützen.
Doch die wahre Bedeutung des Versicherungsverhältnisses wird oft erst verstanden, nachdem ein Schaden eingetreten ist.
Tritt ein Schaden ein, erwartet der Versicherte oder der Geschädigte eine Entschädigung. Der Versicherer prüft seinerseits den Deckungsumfang, die Ausschlüsse, die Anzeigepflichten, die Schadensursache, die Schadenshöhe und die Unterlagen. In diesem Stadium kann zwischen den Parteien ein Streit entstehen.
Ein Versicherungsstreit ist nicht bloß eine Frage des „der Versicherer hat nicht gezahlt". In den meisten Fällen sind technische, kaufmännische und rechtliche Elemente miteinander verflochten. Deshalb sollte die richtige Strategie in einem Versicherungsfall aufgebaut werden, indem die Police, die Schadensunterlagen, der Gutachterbericht, die Vorschriften, die Vertragsbestimmungen und die Streitbeilegungswege zusammen abgewogen werden.
1. Wann entsteht ein Versicherungsstreit?
Ein Versicherungsstreit ist eine Meinungsverschiedenheit zwischen dem Versicherten, dem Versicherungsnehmer, dem Bezugsberechtigten, einem geschädigten Dritten oder dem Versicherer, die aus dem Versicherungsvertrag oder aus einem mit dem Versicherungsverhältnis verbundenen Anspruch herrührt.
Die häufigsten Streitigkeiten sind:
- die vollständige Ablehnung des Entschädigungsanspruchs durch den Versicherer;
- die Unterzahlung der verlangten Entschädigung;
- Uneinigkeit über den Deckungsumfang;
- die Behauptung, der Schaden liege außerhalb der Deckung;
- die Anwendung von Policenausschlüssen;
- der Vorwurf einer unvollständigen oder unrichtigen Anzeige;
- ein Streit über die Prämienzahlung;
- die Bestreitung der Schadenshöhe;
- die Anfechtung des Gutachterberichts;
- Regressansprüche;
- Entschädigungen nach Verkehrsunfällen;
- Kaskostreitigkeiten;
- Betriebs- und Feuerversicherungsschäden;
- Waren-, Transport- und Seeversicherungsansprüche;
- Berufs- und Drittschadenshaftpflichtversicherungen;
- Streitigkeiten zu Lebens- und Krankenversicherungen.
Jede dieser Streitigkeiten erfordert andere Unterlagen, andere Beweise und ein anderes Verfahrensmanagement.
2. Warum ist der Wortlaut der Police maßgeblich?
Das erste Dokument, das in einem Versicherungsstreit zu prüfen ist, ist die Police.
Doch es genügt nicht, nur auf das Deckblatt der Police zu schauen. Das Versicherungsverhältnis besteht oft aus folgenden Unterlagen:
- der Police;
- den Allgemeinen Bedingungen;
- den Besonderen Bedingungen;
- den Klauseln;
- den Nachträgen;
- dem Antragsformular;
- dem Informationsblatt;
- den Prämienzahlungsnachweisen;
- den Antrags- und Anzeigeunterlagen;
- den Schadenmeldungen;
- den Gutachterberichten;
- der Korrespondenz des Versicherers.
Die Police ist sorgfältig daraufhin zu prüfen, welche Risiken gedeckt sind, welche Schäden ausgeschlossen sind, sowie auf die Versicherungssumme, den Selbstbehalt, die Wartezeit, den geografischen Geltungsbereich, die Anzeigepflicht und die Besonderen Bedingungen.
In einem Streit kann manchmal ein einziges Wort, eine Klausel oder eine Ausschlussbestimmung das Ergebnis verändern.
Deshalb sollte der Wortlaut der Police bei der Geltendmachung einer Versicherungsentschädigung nicht als technisches Dokument, sondern als die rechtliche Landkarte des Streits behandelt werden.
3. Schadenmeldung und Ordnung der Unterlagen
In Versicherungsfällen schwächen Verfahrensfehler oft das materielle Recht.
Tritt ein Schaden ein, sollte der Versicherte oder der Geschädigte im Einklang mit den in der Police und den einschlägigen Vorschriften vorgesehenen Anzeigepflichten handeln. Es ist wichtig, dass die Meldung rechtzeitig und mit dem richtigen Inhalt erfolgt.
In einem Schadensfall sind im Allgemeinen folgende Unterlagen wichtig:
- das Schadenmeldeformular;
- das Ereignisprotokoll;
- Fotografien und Videoaufnahmen;
- Berichte von Polizei, Gendarmerie oder Feuerwehr;
- das Unfallprotokoll;
- ärztliche Berichte;
- der Gutachterbericht;
- Rechnungen und Zahlungsbelege;
- Reparaturangebote;
- Werkstattunterlagen;
- Lieferscheine;
- Transportdokumente;
- Verträge;
- Zeugenangaben;
- Korrespondenz;
- Bankunterlagen;
- eine Berechnung, die die Schadenspositionen ausweist.
Fehlende Unterlagen, eine verspätete Meldung oder widersprüchliche Angaben können vom Versicherer als Ablehnungsgrund herangezogen werden.
Deshalb sollte der Schadensfall von Anfang an geordnet aufgebaut werden. In Fällen, die man erst nachträglich zusammenzustellen versucht, kann der Beweis schwierig werden.
4. Ist der Gutachterbericht endgültig?
Versicherer können eine Begutachtung in Auftrag geben, um Ursache, Umfang und Höhe des Schadens zu bewerten.
Der Gutachterbericht ist ein wichtiges Dokument; er ist jedoch nicht in jedem Fall unbestreitbar und endgültig.
Im Bericht sollten folgende Punkte geprüft werden:
- wurde die Art des Schadenseintritts richtig bewertet?
- wurden die Schadenspositionen vollständig aufgeführt?
- wurde der Kausalzusammenhang zwischen Schaden und Ereignis hergestellt?
- wurde der Deckungsumfang richtig ausgelegt?
- wurden der Marktwert oder die Reparaturkosten zutreffend berechnet?
- wurden Abschreibung, Selbstbehalt oder Unterversicherung richtig angewandt?
- ist die technische Bewertung ausreichend?
- wurden die vom Versicherten vorgelegten Unterlagen berücksichtigt?
- ist der Bericht unparteiisch und begründet?
Der Versicherte oder Geschädigte sollte seine rechtlichen und technischen Einwände gegen den Gutachterbericht mit konkreten Unterlagen darlegen.
Bloß zu sagen „der Bericht ist falsch" genügt nicht. Es ist zu erläutern, wo der Fehler liegt, welchem Dokument er widerspricht und wie er sich auf die Entschädigungsberechnung auswirkt.
5. Die Ablehnungsgründe des Versicherers
Versicherer können Entschädigungsansprüche aus verschiedenen Gründen ablehnen.
Häufige Ablehnungsgründe sind:
- dass der Schaden außerhalb des Deckungsumfangs liegt;
- dass das Ereignis unter einen Ausschluss fällt;
- dass der Schaden vor Beginn der Deckung eintrat;
- dass eine Prämienschuld besteht;
- dass der Versicherte die Anzeigepflicht verletzt hat;
- dass das Risiko erhöht wurde;
- dass der Schaden verspätet gemeldet wurde;
- dass die Schadenshöhe nicht bewiesen wurde;
- dass kein Kausalzusammenhang besteht;
- dass der Versicherte schuldhaft gehandelt hat;
- dass der Anspruch verjährt ist;
- dass derselbe Schaden auf andere Weise gedeckt wurde;
- der Vorwurf, es seien falsche oder unwahre Unterlagen vorgelegt worden.
Das Ablehnungsschreiben ist sorgfältig zu prüfen, denn der vom Versicherer genannte Grund bestimmt das zentrale Streitfeld des späteren Schieds- oder Gerichtsverfahrens.
Manchmal kann der Ablehnungsgrund rechtlich schwach sein. Und manchmal kann die unvollständige Vorbereitung des Falls durch den Versicherten einen tatsächlich berechtigten Anspruch schwach erscheinen lassen.
6. Unterzahlung und niedrige Entschädigungsangebote
Versicherungsstreitigkeiten entstehen nicht nur bei einer vollständigen Ablehnung. Der Versicherer mag gezahlt haben; doch diese Zahlung deckt den tatsächlichen Schaden möglicherweise nicht.
Eine Unterzahlung kann herrühren aus:
- einem zu niedrig angesetzten Marktwert;
- zu gering berechneten Reparaturkosten;
- der Anwendung einer falschen Abschreibung;
- der Nichtzahlung des Wertverlusts;
- der Nichtberücksichtigung des Einkommensausfalls;
- dem Ausschluss von Folgeschäden;
- einem fehlerhaften Verschuldensanteil;
- der Anwendung der Unterversicherung;
- einer falschen Auslegung der Versicherungssumme;
- einer fehlerhaften Anwendung des Selbstbehalts;
- einer unvollständigen Bewertung der Deckungspositionen.
Dass eine Unterzahlung erfolgt ist, bedeutet nicht, dass der Versicherte den verbleibenden Schaden nicht geltend machen kann. Der zusätzliche Anspruch muss jedoch durch eine konkrete Berechnung und Unterlagen gestützt sein.
7. Kfz-Haftpflicht, Kasko und Wertminderungsstreitigkeiten
Eine der häufigsten Versicherungsstreitigkeiten in der Türkei betrifft Fahrzeugunfälle.
In diesen Fällen treten häufig folgende Ansprüche auf:
- Fahrzeugreparaturkosten;
- Totalschadenwert;
- Wertminderung des Fahrzeugs;
- Mietwagenkosten;
- Personenschaden;
- Entschädigung wegen dauerhafter Invalidität;
- Entschädigung wegen Unterhaltsausfalls;
- Heilbehandlungskosten;
- Anfechtung des Verschuldensanteils;
- Kaskodeckung;
- Umfang der Kfz-Pflichthaftpflichtversicherung;
- die Haftungsgrenze des Versicherers.
In Fahrzeugfällen sind die technischen Berichte, die Verschuldensbewertung, die Werkstattunterlagen, die Wertminderungsberechnung und die Entschädigungsgrenze zusammen abzuwägen.
Gerade bei Wertminderungsansprüchen sind das Alter des Fahrzeugs, die Laufleistung, die Schadenshistorie, der Austausch von Teilen, die Reparaturqualität und der Marktwert von Bedeutung.
8. Versicherungsstreitigkeiten für gewerbliche Unternehmen
Für Unternehmen können Versicherungsstreitigkeiten komplexer sein als individuelle Schäden.
Wenn ein Betrieb, eine Fabrik, ein Lager, ein Hotel, ein Geschäft, eine Klinik, ein Logistikunternehmen oder eine Produktionsstätte einen Schaden erleidet, besteht der Schaden möglicherweise nicht nur aus der physischen Beschädigung.
Folgende Positionen können auftreten:
- Gebäudeschaden;
- Schaden an Maschinen und Ausrüstung;
- Warenschaden;
- Bestandsverlust;
- Produktionsstillstand;
- Betriebsunterbrechung;
- Mietausfall;
- Drittschäden;
- Ansprüche von Mitarbeitern oder Kunden;
- Haftpflichtversicherung;
- Feuer-, Hochwasser-, Sturm-, Diebstahl- oder Transportschaden;
- Auswirkungen auf die Lieferkette;
- Vertragsstrafen;
- Reputations- und Kundenverlust.
In gewerblichen Versicherungsstreitigkeiten sollten nicht nur die Kosten des Schadens, sondern auch die kommerzielle Auswirkung des Schadens auf das Unternehmen bewertet werden.
In Bereichen wie Betriebsunterbrechungs-, Haftpflicht- und Warenversicherung ist die Policensprache technischer, sodass die rechtliche Prüfung umso wichtiger wird.
9. Transport-, Waren- und Seeversicherungsstreitigkeiten
Im internationalen Handel und Transport sind Transport- und Warenversicherungen von entscheidender Bedeutung.
In diesen Fällen kann ein Streit entstehen aus:
- der Beschädigung der Ware während der Beförderung;
- Minderlieferung;
- Verzögerung;
- Lade- oder Entladeschaden;
- mangelhafter Verpackung;
- der Haftung des Frachtführers;
- Konnossementen und Transportdokumenten;
- Schäden während der Lagerung;
- Seegefahren;
- internationalen Verkaufsbedingungen;
- Incoterms-Regelungen;
- dem versicherbaren Interesse;
- der Möglichkeit des Regresses.
In Transport- und Seeversicherungsfällen ist die Dokumentenkette sehr wichtig. Das Transportdokument, das Übergabeprotokoll, die Vorbehaltseinträge, die Fotografien, die Begutachtung, die Zolldokumente und die Verträge sind zusammen zu bewerten.
In diesem Bereich wird die Rechtsstrategie in der Regel nach der Haftungsverteilung zwischen Versicherer, Frachtführer, Versender, Empfänger, Agent und weiteren Parteien aufgebaut.
10. Regressansprüche und Rückgriffsrechte der Versicherer
Nach Zahlung des Schadens kann der Versicherer beim Schadensverursacher oder der verantwortlichen Partei Rückgriff (Regress) nehmen.
Regressstreitigkeiten treten besonders auf bei:
- Verkehrsunfällen;
- Arbeitsunfällen;
- Feuerschäden;
- Beförderungs- und Transportschäden;
- Haftpflichtversicherungen;
- Kaskozahlungen;
- Betriebsschäden;
- von schuldhaften Dritten verursachten Schäden;
- vertragswidrigem Verhalten.
In Regressfällen lautet die zentrale Frage: Bei wem, auf welcher rechtlichen Grundlage und in welcher Höhe kann der Versicherer nach Zahlung Rückgriff nehmen?
In solchen Fällen sind der Zahlungsbeleg, die Police, der Schadensbericht, die Verschuldenslage, der Kausalzusammenhang und das zugrunde liegende Haftungsverhältnis sorgfältig zu prüfen.
Auch für die Person oder das Unternehmen, gegen die sich ein Regressanspruch richtet, ist die Verteidigungsstrategie wichtig. Nicht jeder vom Versicherer gezahlte Betrag ist automatisch im Wege des Regresses erstattungsfähig.
11. Versicherungsschiedsverfahren
Als Alternative zum Gerichtsweg kann in Versicherungsstreitigkeiten der Weg des Versicherungsschiedsverfahrens in Betracht kommen.
Das Versicherungsschiedsverfahren kann es ermöglichen, Versicherungsstreitigkeiten in einem spezialisierteren und praktischeren Mechanismus zu beurteilen. Es lässt sich jedoch nicht sagen, dass es automatisch in jedem Fall der richtige Weg ist.
Vor einem Schiedsantrag sollten folgende Fragen geprüft werden:
- ist der Versicherer Mitglied des Schiedssystems?
- sind die Antragsvoraussetzungen erfüllt?
- wurde der erforderliche Antrag beim Versicherer gestellt?
- lässt sich der Anspruch klar bestimmen?
- sind die Schadensunterlagen vollständig?
- wurde die Anspruchshöhe richtig berechnet?
- ist ein technischer Bericht erforderlich?
- besteht ein Verjährungsrisiko?
- ist Klage oder Schiedsverfahren strategischer?
- wie wird die Entscheidung vollstreckt?
Im Schiedsverfahren müssen der Antrag, die Beweise und der gestellte Antrag sorgfältig vorbereitet werden. Ein unvollständiger oder ungeordneter Antrag kann einen berechtigten Anspruch schwach erscheinen lassen.
12. Wann ist der Gerichtsweg vorzuziehen?
In manchen Versicherungsstreitigkeiten kann der Gerichtsweg geeigneter sein.
Der Gerichtsweg kommt insbesondere in Betracht, wenn:
- der Streit einen sehr hohen Betrag betrifft;
- mehrere Parteien beteiligt sind;
- eine technische und umfassende Sachverständigenprüfung erforderlich ist;
- Regress-, Haftungs- und Vertragsverhältnisse miteinander verflochten sind;
- auch gegen nicht versicherte Parteien vorzugehen ist;
- einstweilige Maßnahmen oder eine Beweissicherung erforderlich sind;
- die Antragsvoraussetzungen für das Schiedssystem ungeeignet sind;
- der Fall den Charakter eines strategischen Präzedenzfalls hat.
Vor Erhebung einer Versicherungsklage sind das sachlich und örtlich zuständige Gericht, die Mediations- oder Schiedsvoraussetzungen, die Verjährung und die Beweislage zusammen abzuwägen.
Den falschen Weg zu beschreiten, kann zu Zeit- und Rechtsverlust führen.
13. Mediation und Vergleichsmöglichkeit
In Versicherungsstreitigkeiten müssen die Parteien nicht stets ein vollständiges Verfahren durchlaufen.
Je nach Art des Falls können Mediation, direkte Verhandlung oder Vergleichsgespräche ein praktisches Ergebnis bringen.
Bei der Prüfung eines Vergleichs sollte Folgendes berücksichtigt werden:
- die rechtliche Stärke des Anspruchs;
- die Hinlänglichkeit der Beweise;
- die Aussicht auf Zahlung;
- die Verfahrensdauer;
- das Sachverständigenrisiko;
- Kosten und Anwaltshonorare;
- die Fortsetzung der Geschäftsbeziehung;
- die Reputation des Unternehmens;
- die Beitreibbarkeit;
- die Vollstreckung der Entscheidung.
Eine gute Vergleichsstrategie bedeutet nicht, einen schwachen Fall aufzugeben. Manchmal kann selbst in einem starken Fall eine schnelle, vorhersehbare und kaufmännisch vernünftige Lösung vorzuziehen sein.
14. Verjährung und Fristen
In Versicherungsstreitigkeiten sind Fristen von entscheidender Bedeutung.
Die Schadenmeldung, der Antrag beim Versicherer, das Vorgehen gegen das Ablehnungsschreiben, der Schiedsantrag, die Klageerhebung und die Verjährungsfristen sind jeweils gesondert zu beurteilen.
Das Versäumen einer Frist kann die rechtlichen Möglichkeiten schwächen, selbst wenn der Anspruch in der Sache berechtigt ist.
Deshalb ist es nach Eintritt eines Schadens meist nicht richtig, lange zu warten. Unterlagen können verloren gehen, Beweise können schwächer werden, Zeugenaussagen können unsicher werden und ein Verjährungsrisiko kann entstehen.
15. Strategische Vorbereitung in Versicherungsfällen
Für ein erfolgreiches Management eines Versicherungsstreits sollte der Fall wie folgt vorbereitet werden:
- Die Police und ihre Anlagen sollten zusammengetragen werden.
- Die Schadenmeldung und die Korrespondenz sollten geordnet werden.
- Der Gutachterbericht sollte geprüft werden.
- Der Grund für die Ablehnung oder Unterzahlung sollte analysiert werden.
- Die Schadenspositionen sollten einzeln berechnet werden.
- Der Bedarf an einem technischen Bericht sollte bewertet werden.
- Die rechtlichen Grundlagen sollten bestimmt werden.
- Der Weg über Schiedsverfahren, Klage oder Verhandlung sollte gewählt werden.
- Verjährung und Fristen sollten geprüft werden.
- Der gestellte Antrag sollte klar und beweisbar formuliert werden.
In Versicherungsfällen ist der stärkste Ansatz, die rechtliche Beurteilung zusammen mit der technischen und kaufmännischen Analyse durchzuführen.
16. Überprüfung des Versicherungsportfolios für Unternehmen
Versicherungsstreitigkeiten sollten nicht erst nach einem Schaden angegangen werden. Unternehmen sollten ihre Versicherungsportfolios regelmäßig prüfen, bevor ein Schaden eintritt.
Die wichtigsten Punkte, die Unternehmen prüfen sollten, sind:
- welche Risiken decken die bestehenden Policen?
- sind die Deckungssummen ausreichend?
- sind die Ausschlüsse mit der Geschäftstätigkeit vereinbar?
- ist das Betriebsunterbrechungsrisiko abgesichert?
- ist die Haftpflichtversicherung ausreichend?
- bestehen besondere Risiken für Geschäftsführer?
- sind die Transport- und Warenrisiken gedeckt?
- wurden Risiken von Subunternehmern, Lieferanten und Mietern berücksichtigt?
- decken die Policen Konzerngesellschaften ab?
- sind mit dem Ausland verbundene Tätigkeiten in der Deckung enthalten?
- ist die Korrespondenz mit Makler und Versicherer in Ordnung?
- wer unternimmt im Schadensfall welchen Schritt?
Ein gut verwaltetes Versicherungsportfolio verringert das Risiko eines Streits nach einem Schaden.
17. Häufige Fehler in Versicherungsstreitigkeiten
Häufige Fehler bei Versicherten und Unternehmen sind:
- die Police erst nach einem Schaden zu lesen;
- die Schadenmeldung zu verzögern;
- unvollständige Unterlagen einzureichen;
- die Korrespondenz mit dem Versicherer unorganisiert zu führen;
- den Gutachterbericht nicht fristgerecht anzufechten;
- die Schadenspositionen nicht zu dokumentieren;
- sich auf mündliche Aussagen zu verlassen;
- ein niedriges Zahlungsangebot sofort anzunehmen;
- die Verjährungsfrist zu versäumen;
- den Rechtsprozess ohne technischen Bericht zu beginnen;
- zwischen Schiedsverfahren und Klage ohne strategischen Vergleich zu wählen;
- das Regressrisiko zu übersehen;
- bei gewerblichen Schäden den Betriebsunterbrechungsschaden nicht zu dokumentieren.
Diese Fehler können den Wert des Entschädigungsanspruchs mindern oder den Beweis eines berechtigten Anspruchs erschweren.
18. Praktische Checkliste
Eine Person oder ein Unternehmen in einem Versicherungsstreit sollte sich folgende Fragen stellen:
- Habe ich die Police und alle ihre Anlagen?
- Wurde die Schadenmeldung rechtzeitig erstattet?
- Liegt der Ablehnungs- oder Zahlungsgrund des Versicherers schriftlich vor?
- Wurde der Gutachterbericht geprüft?
- Lassen sich die Schadenspositionen durch Unterlagen beweisen?
- Sind die Policenausschlüsse tatsächlich anwendbar?
- Ist der Kausalzusammenhang zwischen Schaden und Ereignis klar?
- Wurden Unterversicherung oder Selbstbehalt richtig berechnet?
- Gibt es eine weitere verantwortliche Person oder Gesellschaft?
- Besteht eine Regressmöglichkeit?
- Ist ein Schiedsantrag möglich und geeignet?
- Könnte der Gerichtsweg strategischer sein?
- Wurde die Möglichkeit von Mediation oder Vergleich erwogen?
- Besteht ein Verjährungsrisiko?
- Ist ein technisches Sachverständigengutachten erforderlich?
- Wurde die Anspruchshöhe richtig berechnet?
- Sind die Unterlagen geordnet und vorlagebereit?
Häufig gestellte Fragen
Was lässt sich tun, wenn der Versicherer nicht zahlt?
Zunächst sollten der Ablehnungsgrund und der Deckungsumfang geprüft werden. Die Schadensunterlagen sollten vervollständigt, die Anspruchspositionen bestimmt und – je nach Art des Falls – Versicherungsschiedsverfahren, Klage oder Verhandlung erwogen werden.
Ist ein Versicherungsschiedsverfahren in jedem Fall möglich?
Es ist nicht automatisch in jedem Fall möglich oder geeignet. Die Stellung des Versicherers im Schiedssystem, die Antragsvoraussetzungen, der Streitgegenstand, die Anspruchshöhe und die Fallstrategie müssen zusammen abgewogen werden.
Kann ein Gutachterbericht angefochten werden?
Ja. Doch die Anfechtung muss konkret, begründet und nach Möglichkeit durch technische Nachweise gestützt sein. Sie muss klar zeigen, welcher Teil des Berichts fehlerhaft ist.
Kann bei einer Teilzahlung die restliche Entschädigung verlangt werden?
Je nach Sachverhalt kann der verbleibende Schaden verlangt werden. Dazu sind die Zahlungspositionen, die Schadensberechnung, die Versicherungssumme, der Selbstbehalt und etwaige weitere Abzüge richtig zu prüfen.
Wann sollte ein Anwalt in einen Versicherungsstreit eingebunden werden?
Der richtige Zeitpunkt ist unmittelbar nach der Schadenmeldung oder dann, wenn der Versicherer mit einer Ablehnung oder einer Unterzahlung antwortet. In manchen Fällen ist rechtliche Begleitung schon im Stadium der Schadenmeldung wichtig.
Fazit
Versicherungsstreitigkeiten erfordern, dass der Wortlaut der Police, die technische Prüfung des Schadens, die Ordnung der Unterlagen, die Berechnung der Entschädigung und die Streitbeilegungsstrategie zusammen behandelt werden.
Das Ablehnungsschreiben des Versicherers, der Gutachterbericht oder ein niedriges Zahlungsangebot bedeuten für sich genommen kein endgültiges Ergebnis. Jeder Fall ist anhand seiner eigenen Police, Unterlagen, Schadensursache, Schadenspositionen und rechtlichen Grundlagen zu prüfen.
Im Versicherungsrecht beruht ein starker Fall nicht nur auf einem berechtigten Anspruch, sondern auf gut vorbereiteten Beweisen, einem richtig gewählten Verfahren und der Disziplin strategischer Nachverfolgung.
Wie Terziolu & Partners unterstützen kann
Terziolu & Partners leistet seinen Mandanten rechtliche Unterstützung in Versicherungsstreitigkeiten, gewerblichen Schäden, Regressansprüchen, Entschädigungsverfahren und der Streitbeilegung. Unsere Arbeit kann umfassen: die Prüfung von Police und Deckung; die Bewertung des Schadensfalls; die Analyse des Ablehnungsgrundes des Versicherers; die rechtliche Beurteilung von Gutachterberichten; die Bestimmung der Entschädigungspositionen; die Vorbereitung von Anträgen im Versicherungsschiedsverfahren; die Führung von Gerichts- und Vollstreckungsverfahren; die Beurteilung von Regressansprüchen; die Vertretung gewerblicher Unternehmen in Versicherungsstreitigkeiten; die Koordination von Fällen mit Bezug zu Transport-, Waren- und Seeversicherung; und die Führung von Vergleichs- und Verhandlungsverfahren.
Besprechen Sie eine Versicherungsentschädigung, einen Schadensfall oder einen gewerblichen Versicherungsstreit mit unserem Team.
Dieser Beitrag dient nur der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsauskunft oder Rechtsberatung dar. Die rechtliche Beurteilung in Versicherungsstreitigkeiten kann je nach Wortlaut der Police, den Allgemeinen und Besonderen Bedingungen, der Art des Schadens, der Stellung der Parteien, dem Zeitpunkt der Antragstellung, den Beweisen, der Verjährung, der Antwort des Versicherers und den anwendbaren Vorschriften unterschiedlich ausfallen. Auf der Grundlage dieser Veröffentlichung sollte keine Maßnahme ergriffen oder unterlassen werden. Zum konkreten Fall sollte professionelle Rechtsberatung eingeholt werden. Eine an Terziolu & Partners gesandte Anfrage oder ein Kontaktformular begründet kein Mandatsverhältnis, sofern und solange es nicht ausdrücklich schriftlich angenommen wird.